Sie ist die Rose des kleinen Prinzen

 
Voraussichtliche Lesezeit: 2 minutes

Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar!

Wer kennt diesen Ausspruch nicht? Gerade jetzt, wo „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry durch den KIKA noch einmal besonders bekannt wurde, wundert es mich, dass nie jemand nach der Rose des Prinzen fragt.

Eingesperrt in ein Glas liest sie sehnsüchtig und hingebungsvoll seine Briefe, während er im Weltall herumreist und Abenteuer erlebt.

Wer ist diese Rose?

Dazu muss ich ein wenig im Leben des Autors und seiner großen Liebe herumschnüffeln.

2004 kam es auf den Markt, dieses packende Buch mit den Schilderungen jener Frau, die dreizehn Jahre mit Antoine de Saint-Exupéry verheiratet war und ihn bedingungslos liebte, jedoch auch sehr unter ihm litt.

Antoine war nach ihren Memoiren ein Mann voller Widersprüchlichkeiten, er war stets von einer inneren Unruhe erfasst und einer tiefen Zerrissenheit. Emotionale Bindungen ertrug er sehr schlecht und gleichzeitig hatte er ein unbändiges Bedürfnis danach, geliebt zu werden – von ihr, seiner kleinen Rose.

Wer in diesem Buch eine Ausführung des “Kleinen Prinzen” erwartet, liegt total daneben

Consuelo de Saint- Exupéry veranschaulicht hier bemerkenswert mitreißend und tiefgründig ihre Ehe mit diesem genialen Schriftsteller, einer leidenschaftlichen Liebe zu ihm und dem emotionalen Auf und Ab, was sie durch Annäherung und Streit, Liebe und Hass, Eifersucht und Begierde fast kaputt spielte.
Sie konnten weder mit – noch ohne einander leben, und sie zerbrach fast an diesem Mann, welcher fremdging, sie im Stich ließ und dann doch wieder ihre ganze Liebe einforderte. Das Buch erzählt in schockierender Weise auch von dem Menschen Antoine, der so gar nichts mit dem kleinen Prinzen gemeinsam hat.

Doch seine Muse Consuelo, die die kleine Rose beseelt hat und Antoine dazu inspiriert hat, weiter zu schreiben – sie erinnert wirklich an diese zarte Blume, wirkt genauso zerbrechlich und wartet auch im richtigen Leben geduldig auf ihren Prinzen, bestärkt von bedingungsloser inniger Liebe, ja fast emotionaler Abhängigkeit zu ihm.

Schockierend fand ich nur, dass so ein Mann den kleinen Prinzen schrieb. In „Grundformen der Angst“ von Fritz Riemann wird Antoine de Saint-Exupéry als schizoider Persönlichkeitstyp beschrieben. Nachdem ich jedenfalls die Memoiren seiner kleinen Rose gelesen hatte, war mir schlecht. Ich hatte gehofft und gedacht, mit ihrem Buch eine Liebesgeschichte in den Händen zu halten, die an Einfühlsamkeit und Harmonie kaum zu übertreffen ist.

Doch es war eine traurige Geschichte über eine komplizierte narzisstische Symbiose, die so ehrlich und tief beseelt geschrieben ist, dass ich mir für Consuelo irgendjemand anderen als Partner gewünscht hätte.

Aber die kleine Rose liebte ihren kleinen Prinzen – bis zu seinem Tod. Und wurde nach Veröffentlichung des Buches von seiner Familie als Lügnerin hingestellt. Doch sie war ja sowieso immer nur das kleine naive Dummchen, mit dem man machen konnte, was man wollte….

Dieses Buch ist einfach bemerkenswert und ist in jedem Falle zu empfehlen!

„Man sieht nur mit dem Herzen gut – das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar!“ Dieser Satz passt treffend auf Consuelo – sie liebte und litt und jeder, der diesen Satz aus dem „kleinen Prinzen“ zitiert, sollte auch ihr Buch wenigstens einmal gelesen haben!

asti

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