Wenn dein Kind nicht mehr mit jedem redet – Der Anfang

 
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Ein sonniger Tag … der Umzug liegt endlich hinter uns, ich erinnere mich noch ganz genau! Unsere kleine Tochter quietschfidél und fröhlich, wie man sie kennt. Schüchtern war sie schon immer, ihre Auftauzeit brauchte sie. Das liegt in ihr drin, ein Erbe ihrer Vorfahren vielleicht.

Sie hatte sich wahnsinnig auf den neuen Ort gefreut – ein wunderschöner Spielplatz mitten im Grünen, gepflegte Gegend und ein bisschen ländliche Idylle. Hier würde es ihr sicher nicht schwerfallen, schnell Anschluss zu finden, mit neuen Freunden zu spieln.

Noch plagte sie ein kleines bisschen das Heimweh, ihr bester Freund fehlte ihr. Doch wir hatten keine Bedenken, daß sie sich hier einlebt.

Unsere Tochter war zu diesem Zeitpunkt fast drei Jahre alt. Sie hat geplappert wie ein Wasserfall und das mit einem ausgeprägten, reichen Wortschatz. In der einstigen Kleinstadt redete sie mit anderen, zwar nicht so intensiv wie zuhause, doch welches Kind mit fast drei macht das schon!

Der Tag des Kindergarteneintritts rückte näher und sie war wirklich sehr aufgeregt. Es musste dringend zu ihrem dritten Geburtstag sein, entschied die Gemeinde. Da gab es davor und danach keine Möglichkeit. Wir waren froh, einen Platz zu bekommen, obwohl es gerade eine Woche vor unserem Sommerurlaub sein sollte.

Ich fragte in der Einrichtung nach, ob das wirklich sinnvoll ist und stach unmerklich in ein Wespennest. Es ging mir um die Eingewöhnungsphase, die ja mindestens eine Woche läuft. Laut dem Berliner Modell sogar länger. Natürlich ist das sinnvoll, kam von Seiten der Einrichtung, was soll denn schlimmes passieren…

Die Krippenkinder in dem Alter unserer Tochter wechselten erst im September in den Kindergarten und ich hatte als Mama scvhon da ein flaues Gefühl im Magen, in welche Gruppe sie wohl kommen mag. Altersgemischt, hieß das Konzept. Kinder von drei bis sechs Jahren sollen voneinander lernen, es sollte die soziale Kompetenz stärken, das Miteinander fördern.

Natürlich waren wir Eltern begeistert. Unsere Tochter ist im sprachlichen Bereich teilhochbegabt, zumindest besteht eine gute Tendenz dahin. Sie sprach mit zwei Jahren mehr als 300 Wörter und bildete komplexe Sätze. So stehts im gelben Muttiheft. Fördern und Fordern, hieß es aus dem Blickwinkel der Kinderärztin.

Das wäre super, eine Gruppe mit größeren Kindern, von denen sie sich eine Menge abschauen kann und mit denen sie schon vernünftig reden kann. Das war immer ihre Stärke gewesen und sie liebte ältere Kinder. Doch natürlich wünschte sie sich auch einfach nur eine Freundin zum Spielen. Ihr bester Freund fehlte ja nun und sie wollte schnell neue Freunde finden. Das verband sie mit dem Begriff „Kindergarten“.

Auch unsere Schuld, ihr den Kindergarten so hoch anzupreisen.

Denn die Erwartungen waren offensichtlich zu hoch. Was immer hier für eine Schiene gefahren wurde, es war zumindest nicht anschlussfähig an die Kindertageseinrichtung unseres ehemaligen Wohnortes.

Ja das klingt sehr böse und so war es leider auch. Der erste Tag brachte eine riesengroße Ernüchterung.

Unsere Tochter wurde mit einem steifen Hallo von weit oben begrüßt. Es gab kein in die Hocke gehen, kein „schön, dass du hier bist“, und es wurde ihr kein Gruppenraum gezeigt. Stattdessen zitierte mich die Erzieherin in die Mitte des Gruppenraumes an den Esstisch, damit wir die Formalitäten klären. Dazu zählte vor allem, alle Notrufnummern aufzuschreiben, falls im Kindergarten mit dem Kind etwas schlimmes passiert.

Autsch! Meine Tochter stand neben mir und machte lange Ohren. Ich sollte sie jetz besser nicht auf den Schoß nehmen, meinte ihre neue Bezugsperson. Sie solle nur in Ruhe umschauen. Das fördere die Selbstständigkeit. Hmmm…

In Wahrheit schaute mich mein Kind hilflos an. Sie wußte nicht, ob sie alleine einfach Spielzeug aus dem Regal holen durfte und ich erlaubte es ihr. Das war grundsätzlich nicht richtig, tönte die Erzieherin, ihr das zu sagen. Sie müsse von alleine darauf kommen, dort Sachen heraus zu holen. Mami wäre später ja auch nicht da, um ihr zu sagen, was sie spielen solle.

Auweia, dachte ich, mir sträubten sich die Nackenhaare. Das bekam irgendwie auch unsere Tochter mit. Dennoch versuchte ich ruhig zu bleiben. Ich schrieb brav zwei Notfallnuummern auf. Das waren aber gar nicht genug Nummern. Was ist, meinte die neue Bezugsperson meines Kindes, wenn zwei Nummern nicht zu erreichen sind? Sie wüßte dann nicht, was sie tun solle. Ich blieb eisern. Zwei Nummern reichen. Punkt.

Wovor hatte die Erzieherin denn nur solche Angst?

Angst! Das Stichwort, was uns noch lange quälen sollte.

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