Über Mrs. Eastie

Lesezeit: 5 Minuten

Liebe Leser,

diese Webseite hier ist uralt.

Ich bin nun seit 2005 im World Wide Web als Bloggerin unterwegs und kenne sogar noch ein paar HTML-Codes auswendig und den Homepage-Designer von Adobe GoLive 🙂

So sah Mrs. Eastie mal aus. Früher. 😉

 

In dieser Zeit war das Ost-West-Thema noch sehr wichtig in meinem Leben und dem vieler anderer. Irgendwann packte mich die Idee, die neuen Bundesländer untereinander via Internet zu vernetzen. Einmal natürlich, um das Angebot von Webseiten zu erhöhen, um sich gegenseitig zu unterstützen und bekannt zu machen und den Osten stärker im Internet vertreten zu wissen.

Gleichzeitig schwebte mir vor, eventuell eine Art solidarisches Netz zu gründen, in dem wir uns alle gegenseitig unterstützen, motivieren und von den guten Erfahrungen zu DDR-Zeiten und nach der Wende profitieren können.

Leider scheiterte dieses gedanklich unausgereifte Projekt schnell. Allein von Nächstenliebe kann natürlich niemand Gewinne erzielen, es springt nichts Materielles dabei heraus, es ist schlichtweg zu ineffizient.

Der Leiter einer größeren Uniklinik beschimpfte das Vorhaben gar als Vetternwirtschaft und er hätte keine Zeit für solche Hirngespinste.

Die Chefin eines größeren Unternehmens lachte mich aus und fragte, ob ich Sozialistin sei.

Es war übrigens keine Frage der Herkunft, ersterer kam aus den alten, zweitere aus den neuen Bundesländern.

Na gut, dachte ich mir trotzig. Dann bringe ich diese Idee vom Unterstützen und Zusammenhalten innerhalb einer bestimmten Region (kann ich das so überhaupt sagen zum ehemaligen Gebiet der DDR?) eben erst einmal so unter Leute. In Gesprächen. Im Zug, Bus, auf dem Bahnhof, auf der Straße…überall, wo man halt so ins Gespräch kommt.

Und ich stellte irgendwann fest, dass nur ich vor Leidenschaft und Ideenreichtum für den Osten glühte. Der Großteil der Leute, die ich traf, waren entweder vom Leben gezeichnet und hatten resigniert – oder sie hatten es geschafft und wollten nicht so viel von Gemeinschaft und Solidarität wissen.

Das enttäuschte und desillusionierte mich gewaltig. Es packt keiner etwas so richtig an, die Ideen sind nicht (mehr) da, es gibt keine Hoffnung, keine Zukunftsvision. Alle traben irgendwie mit. So wie früher. Nur in diesem System.

Dafür erfuhr ich sehr viele Dinge über den Osten und mich selbst, die mir vorher nicht bewusst waren.

Über diese Dinge, den Alltag hier in meiner “Heimat” (das Wort ist ja heute verschrien), über mich und andere blogge ich nun. Es gab verschiedene Wege, eine Online-Zeitung war auch schon einmal im Aufbau, Ausflugsziele und die Vernetzung von Bloggern aus dem Osten.

Doch vieles habe ich wieder fallenlassen (müssen), es sind mir auch Fehler passiert, die ich heute nicht mehr machen würde. Ich habe mich oft über die jüngere Generation gewundert und manchmal auch geärgert, weil sie ja doch ganz anders ticken. Sie sind eben in einem anderen System aufgewachsen, nämlich im kapitalistischen und das merkt man an deren Verhaltensweisen. Es ist nicht böse gemeint, denn sie müssen so sein, wie sie sind, um durchzukommen.

Doch sie sind eben anders geprägt, sowohl sozial als auch kulturell. Ich habe aber auch engagierte junge Leute im Osten kennengelernt, die wirklich sehr humorvoll, witzig und sozial waren und sind. Dass erfüllt mein olles Ossi-Herz mit Stolz auf Neudenker, Reformer und Freigeister, die einen anderen Weg gehen und sich für andere Menschen einsetzen.

2007 wandelte ich meine Homepage in einen WordPress-Blog um und setzte mich weiterhin für die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit ein. Mittlerweile war mir klar geworden, dass viel zu wenig darüber öffentlich diskutiert wird, auch die Vorurteile noch riesengroß sind, vor allem in den alten Bundesländern. Fragen werden nicht gestellt oder Antworten nicht abgewartet. Es gibt Pauschalisierungen und Klischee-Futter.

2010 beschloss ich, lokal und regional professioneller zu berichten.
Im selben Jahr schlich sich auf Mrs. Eastie eine Malware ein.
Viele Besucher, die mich drei wundervolle Bloggerjahre lang besucht, begleitet, kommentiert und weiterempfohlen hatten, kamen nicht wieder.
Bei dem Versuch, die Malware zu löschen, wurde schnell klar, dass es diesen Blog, so wie er einmal war, nicht mehr geben wird.
Nachdem zugegebenermaßen ein paar Tränen geflossen waren, und ich eine Woche lang mit Filezilla, Strato und phpmyadmin gekämpft hatte, um mein Blogwerk noch irgendwie zu retten, musste ich bekannt geben, dass der Blog down ist und somit alle Seiten nur noch über den Cache von Google abrufbar sind.
Schweren Herzens verabschiedete ich mich von drei Jahren Schreibarbeit, Recherche und Meinungsbildung und hoffte, dass mir ein paar Besucher dennoch treu blieben!

2013 hatte ich dann den nächsten Totalcrash. Ich bloggte da bereits mit WordPress, kam aber mit dem ganzen System nicht immer richtig klar. Damals gestaltete sich alles noch etwas schwieriger als heute, vor allen Dingen mussten wir Alt-Blogger noch einiges an Codes kennen, um unsere Plug-Ins und Widgets nutzen zu können.
Auch den Customizer gab es da noch nicht, wenn ich mich recht erinnere.
Jedenfalls ging irgendetwas schief mit meiner Datenbank. “Nur mal schnell irgendetwas versuchen”, ist einfach nicht angebracht, wenn man keine richtige Ahnung von Datenbanken hat.
So lag der Blog ein zweites Mal komplett brach.
Eigentlich hatte ich da gar keine Lust mehr, weiter zu bloggen. Die Internetwelt war mittlerweile auch so egozentrisch und verletzend geworden, dass ich mich eine Weile nicht mehr wohlfühlte. Mir schien es, als wenn alles Miteinander überhaupt nicht mehr vorhanden wäre.

Dann jedoch erreichte mich eine Mail.
Da stand sinngemäß drin, ob mir bewusst sei, dass ich gar nicht nur über den Osten Deutschlands schreibe, sondern diese Wende sehr viele osteuropäische Staaten betrifft und ich vielen aus dem Herzen schreibe…
Oh. Das war ein Schock für mich. Es kam mir so irreal vor. Leute lesen meinen Blog und fühlen sich in etwas bestärkt oder finden sich in etwas wieder…einem Gefühl, einer Art der Verwandlung, des Reifer Werdens, des Reflektierens…außerhalb von Deutschland.
Das war mir nicht bewusst gewesen. Und so steht Mrs. Eastie nun eben wirklich für die Eastside. Vielleicht Deutschlands, vielleicht Europas, vielleicht für die Vergangenheit, aber auch die Gegenwart und vor allem die Zukunft.
In diesem Jahr wurde ich dann Mitglied im Deutschen Fachjournalisten-Verband. Dort wurde mir die Chance gegeben, als Bloggerin für die DDR-Vergangenheit, die Wende, den Wandel die Gegenwart und die Zukunft der neuen Bundesländer einen Presseausweis ausgestellt zu bekommen.

Mrs. Eastie steht aber vor allem auch für mich. Ich fühle mich manchmal wie in einem Strudel der Zeit. Von so vielen Dingen bin ich Zeitzeuge. Ich halte die dritte deutsche Währung in meinen Händen während meiner Lebenszeit von 40 Jahren und erlebe jeden Moment, jede Veränderung sehr genau mit, weil ich überdies feine Antennen besitze.

Darüber könnt ihr hier mehr nachlesen. Silberperltropfen.

Ich freue mich, über alle Dinge dieses Lebens für euch schreiben zu dürfen. Viele Denkweisen sind etwas ab vom Mainstream, ich kann euch jedoch versichern, dass dies keine Marketingstrategie ist. So bin ich einfach und ich habe eine ganz kleine Gruppe stille Mitleser und sehr viele diskussionsfreudige Leser, die mir lieber per mail schreiben als zu kommentieren. Das ist manchmal schade, jedoch ich freue mich natürlich über Post.

Und das jederzeit. Ehrlich und direkt bitte. Nur nicht beleidigend oder rassistisch.

Wer bis hierher alles durchgelesen hat, der verdient meinen vollsten Respekt 😉

Liebe Grüße aus dem Leipziger Land,

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