Sind die Wahlen ein Glücksspiel? Bundestagswahl 2017

Voraussichtliche Lesezeit: 6 minutes

Am Sonntag ist es soweit, Deutschland geht wählen.
Zumindest theoretisch. Vor kurzem musste ich etwas schmunzeln, als irgend jemand äußerte, er müsse am Wahlsonntag arbeiten, da könne er nicht wählen gehen.
Ich meine, es gibt ja Briefwahl. Nicht einmal das wissen manche Wähler. Oder es war nur eine Ausrede.
Doch was ist dabei, zu sagen, ich habe keine Lust, wählen zu gehen?
Ich wurde auch interviewt. Über Twitter schrieb mich der MDR an, ob ich nicht Lust hätte, bei dem Projekt „Wahlzone Sachsen“ mitzumachen.
Genau genommen schrieb mir jemand vom MDR Sachsen:

„Hast du eine Telefonnummer für uns? Wir würden gern mit dir für unser Blog sprechen“

Und so kam es, dass ich ein bisschen etwas über mich, die Bloggerei und die Bundestagswahl erzählen konnte:


“Ich blogge, also bin ich”

Astrid Schubert alias Mrs. Eastie betrachtet ihre Umwelt aus einer ganz speziellen Sicht: aus der einer Bloggerin. In ihrem Internettagebuch setzt sich die Mediendesignerin aus dem Leipziger Umland mit allerlei Themen rund um “den Osten” auseinander. Dass es dabei politisch wird, ist für sie selbstverständlich.

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Auch nach Feierabend wird der Computer der Mediendesignerin Astrid aus Machern nicht direkt heruntergefahren. Denn wenn die Arbeit erledigt ist, haut die 39-Jährige nochmal privat in die Tasten. Seit einigen Jahren betreibt sie einen Blog. “2005 habe ich die Homepage ins Leben gerufen. So richtig losgelegt habe ich 2010. In dem Jahr wurde meine Tochter geboren und da hatte ich ein bisschen Zeit.”

Seitdem ist sie Mrs. Eastie – die ‘philanthropische Bloggerin’ aus dem Osten. “Mrs. Eastie sagt ja eigentlich schon, dass ich mich mit dem Osten identifiziere. Ich bin in der ehemaligen DDR aufgewachsen bis ich elf Jahre alt war, komme aus einem teilweise katholischen Elternhaus. Ich bin nicht so der Klischee-Ossi und habe meine ganz eigenen Ansichten.”

Stimmungen einfangen, Gedanken machen

Gesellschaftskritik – die zieht sich durch ihre Beiträge wie ein roter Faden. Das geht auch immer wieder ins Politische. Sie selbst verstehe sich als politikinteressiert, trotzdem sei sie parteiunabhängig. “Ich bin weder nach rechts geneigt noch nach links. Ich halte mich selbst für einen modernen und weltoffenen Menschen. Und ich hätte gern einige Dinge anders. Aber ich möchte auch niemandem irgendwas aufdrängen.” Die Stimmung im Land einfangen, Probleme benennen aber auch Lösungen finden – das ist Astrids Ziel.

Und so macht sie sich ihre Gedanken – gerade jetzt vor der Bundestagswahl. Wo setzen die Menschen ihre Kreuzchen oder auch gerade nicht? “Viele Leute fragen sich ja, warum Die Linke zur Bundestagswahl nicht so hoch kommt. Das ist so ein Thema. Ich glaube, dass hier im Osten viele einfach noch sehr skeptisch an die Sache herangehen. Die Inhalte sind ja gar nicht schlecht, finde ich. Aber die Skepsis ist groß, dass sie eine Nachfolgepartei der SED sind.”

Herzthemen: Bildung und Soziales

Für Astrid steht bereits fest, für wen sie am liebsten stimmen würde. Doch so eine Partei gibt’s noch gar nicht: “Was mir sehr am Herzen liegt, ist, dass die Grundschulzeit auf sechs Jahre festgelegt wird. Ich würde am liebsten eine Partei wählen, die das in ihrem Wahlprogramm hat. Weil ich finde, dass es sehr wichtig ist für einen Klassenverband, um soziale Kompetenzen mitzubekommen. Und man kann nach sechs Jahren eher entscheiden, ob man aufs Gymnasium gehen will, als in der vierten Klasse.“

Außerdem wichtig für die Mutter: Die Krankenversorgung  – auch in den ländlichen Gegenden von Sachsen – und mehr Personal in Krankenhäusern. Außerdem prangert sie Ungerechtigkeiten bei Hartz IV an. Von denen ist sie zwar nicht selbst betroffen, aber sie hatte in den letzten Jahren viel Kontakt mit Hartz-IV-Empfängern.

“Ich will Brücken bauen”

In der aktuellen Politik vermisse sie auch das Thema “Zukunft der Arbeit”. Wie soll es weitergehen in der digitalen Welt? Wie sieht der Arbeitsmarkt in zehn Jahren aus? “Hier werden Umwälzungen und neue Berufszweige auf uns zukommen. Politiker sollten nicht nur übers Geldsparen und den Flüchtlingszustrom reden. Im Moment bereitet niemand die Leute darauf vor, dass sich die Arbeitswelt drastisch ändern wird.”

Auch wenn die 40 Jahre alte Bloggerin vieles ändern möchte: In die Politik zu gehen, ist für Astrid keine Option. “Die Politik hat zwar auf unser Leben einen unheimlichen Einfluss, aber ich habe keine Bindung zu einer Partei. Ich müsste etwas Eigenes gründen. Mit geht’s in erster Linie darum, dass Probleme gesehen werden. Und ich will Brücken bauen.”

Text: Katharina Pritzkow
Bild: Astrid Schubert

http://wahlzone.mdr.de/post/165545943126/ich-blogge-also-bin-ich


Leider habe ich keinen Favoriten, was diese Wahl anbetrifft.
Die Zweitstimme vergebe ich definitiv an das Bündnis Grundeinkommen.

Seit Jahren verfolge ich die Idee von Susanne Wiest aus Greifswald und freue mich, nun mit meiner Stimme endlich Einfluss darauf nehmen zu können.
Da mir das Hartz IV sehr unsozial und menschenunwürdig erscheint und sich ohnehin der Arbeitsmarkt in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren ändern wird (Digitale Revolution), finde ich die Idee für ein bedingungsloses Grundeinkommen wirklich angebracht und zudem auch finanzierbar.

Momentan gibt es so viele Transferleistungen, die ohnehin gezahlt werden, nur halt nicht bedingungslos, sodass sie in ein BGE umgewandelt werden könnten. Schritt für Schritt.

Es dauert ja sicher eine ganze Weile, ehe so ein Vorhaben umgesetzt werden kann, doch die Idee ist gut und ein wenig revolutionär. Definitiv meine Stimme, schon aus reiner Neugier, was dann passiert 🙂

Ansonsten ist mir wichtig, dass die Situation in den Kindergärten und Schulen verändert wird und das ganz dringlich. Erst einmal ist es nicht gerade sinnvoll, so viele Kindergärten zu bauen, aber gleichzeitg einen schlechten Betreuungsschlüssel gegenzusetzen. Davon haben die Kinder überhaupt nichts.

In den Schulen verhält sich das ähnlich. Es gibt nicht genügend Lehrer – vor allem im Osten – und das ist auch kein Wunder. Der Anreiz fehlt ja. Allem voran natürlich eine schlechte Bezahlung, aber auch keine Handhabe der Schulen, innerhalb ihres eigenen Ermessensspielraums Entscheidungen zu treffen.

Geld fehlt auch überall und ist für schöne, fröhliche, helle Räume immer zu gebrauchen. Auch Lehrmaterial und Wandertage könnten gut und gerne unterstützt werden. Doch am allerwichtigsten die Gebäudeerhaltung und die Pflege/Sanierung von Außenflächen.

Ein weiteres großes Thema ist natürlich die Inklusion. Wie können behinderte Kinder oder Kinder mit Handicap / Teilleistungsschwäche in den Schulalltag einer ganz „normalen“ Schule integriert werden? Auch hier sind besondere ausgebildete Fachkräfte ein großes Thema, genauso wie Barrierefreiheit und grundsätzlich die Umgestaltung der Schullandschaft.

Die Grundschulzeit auf vier Jahre zu begrenzen, sehe ich als Mutter sehr skeptisch. Ich habe sogar schon kurzzeitig überlegt, deshalb in ein anderes Bundesland zu ziehen, weil ich das viel zu früh finde, um sich für einen bestimmten Bildungsweg zu entscheiden. Im Zuge dessen finde ich generell diese Leistungsmentalität in den Schulen ( viel „Bildung“ und wenig Freizeit) richtig gefährlich. Erstens hat Bildung nichts damit zu tun, wie schnell in einem kurzen Zeitraum auswenidig gelernt wird, zweitens haben die Kinder keine Zeit, zu hinterfragen und neugierig ihren Wissensspeicher zu füllen und drittens haben es lernschwache Schüler dann extrem schwer, hinterherzukommen.

Das ist zwar löblich im Sinne der Wirtschaft, dass Kinder sich durchbeissen lernen, dass sie merken, „das Leben“ ist kein Ponyhof“ und sie müssen etwas tun, damit sie etwas erreichen, jedoch das soziale Miteinander wird dadurch sicher nicht gestärkt. Soziale Kompetenzen zu vermitteln fällt in das Repertoir der Bildungseinrichtungen, denn so steht es in den jeweiligen Landesschulgesetzen (ich habe mehrere davon verschlungen)

Wenn es denn schon so sein muss, dass die Kinder in Deutschland durch die Lehrer erzogen werden ( wir haben hier eine Schulpflicht, die Alternativen wie Homeschooling komplett ausschliesst. Deutschland ist das einzige europäische Land mit dermaßen rigorosen Schulregeln), dann muss dafür gesorgt werden, dass das Soziale, das Gerechte, das Mitfühlende usw. nicht zu kurz kommt.

In den letzten Jahren geht es bei der Diskussion um Bildung grundsätzlich um arm (dumm, bildungsfern) und reich (Chancenvielfalt, bildungsnah) und das alleine stößt mir sauer auf. Aber um hier keine Grundsatzdiskussion daraus zu machen, werde ich dazu noch einen ausführlichen Artikel schreiben.

Jedenfalls setze ich mich dafür ein, dass Kinder „spielerisch“ lernen dürfen oder sagen wir zumindest „spielerischer“. Sollten davon viele Eltern Abstand nehmen, weil sie den Frontalunterricht noch für zeitgemäß halten, dann sollten wir vielleicht ähnlich wie bei Kindergärten darüber nachdenken, ob Schulen nicht ihr eigenes Lehr – und Erziehungskonzept vorstellen sollten und wir dann freie Schulwahl haben. Allerdings auch nach der Grundschulzeit.

Da gibt es jedenfalls jede Menge Raum für Ideen und gegebenenfalls Reformen.

Krankenhäuser sollten eventuell weniger danach arbeiten, ob etwas profitabel ist und es fehlt eine gute ärztliche Versorgung vor allem im ländlichen Bereich. Wie kann das verändert werden?

Es fehlt an Krankenhauspersonal, aber auch an Pflegekräften in der Altenpflege. Sehr dringend besteht da Handlungsbedarf! Wie soll es in Zukunft weitergehen, wenn selbst solche elementaren Dinge wie die Gesundheitsversorgung nicht gewährleistet ist?

Nun forste ich noch einmal die ganzen Wahlprogramme durch und hoffe, ein paar Antworten zu finden. Der Wahl-O-Mat hat mir leider nicht besonders bei meiner Entscheidung geholfen. Das gab es nur Die Linke und das mit einer Übereinstimmung von 46 %.

Oder ist es eher ein Glücksspiel, wie mir kürzlich jemand verriet? Würfel oder Lose und dann Kreuzchen gesetzt?

Was ist anderen eigentlich wichtig, welche Themen bewegen euch und warum geht ihr wählen oder auch nicht?

 

 

 

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