Halloween. Europäischer, als du denkst.

 
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Am Abend des 31. Oktober macht sich hierzulande wieder gruselige Feierlaune breit.
Jedes Jahr an Halloween ziehen gespenstische Gestalten von Haus zu Haus und fordern „Süßes oder Saures“.
Leuchtende Kürbisse mit schauerlichen oder auch etwas freundlicheren Fratzen weisen den Weg und stehen mit Lichtern besetzt vor Häusern, auf Balkonen und Terrassen.
Abschreckende Wirkung auf böse Geister sollen sie haben und die schauerlichen Kostüme der umherziehenden Menschen ebenso.
So manch’ einer – gerade der älteren Generationen – schüttelt verständnislos den Kopf.

Das ist doch wieder so ein Quatsch aus Amerika!

Dabei hat Halloween seinen Ursprung in Europa. Genauer gesagt in Irland.
Irische Einwanderer brachten Halloween erst ab dem 19. Jahrhundert mit in die USA, als sie ihre Heimat wegen großer Hungersnöte verließen. Das Brauchtum ist ursprünglich im katholischen Irland zuhause.
Über die Zeit wurde es jedoch in Nordamerika und Kanada zu einem wichtigen Volksfest.
In den 80er Jahren kam der irische Brauch weiterentwickelt zurück nach Europa und setzte sich im Laufe der 90er Jahre auch in Deutschland durch. Allerdings wird er hier nicht ganz so gruselig wie in Nordamerika gefeiert und ist größtenteils den Kindern und Jugendlichen vorbehalten.

Wie kam Halloween nach Irland? Samhain und das Ende des Sommers

Das Halloween-Fest entstammt uralten keltischen Ritualen.
Die Geister stehen für die Seelen der Verstorbenen und die Verkleidungen und Masken sollen bei der Vertreibung von gefürchteten Untoten helfen.
Die Kelten waren ein Volksstamm aus Großbritannien und Westfrankreich, der unter anderem in Irland und Schottland lebte.
Sie feierten bereits vor 5000 Jahren ein Totenfest mit Namen „Samhain“, wenn das keltische Sommerhalbjahr endete und das Winterhalbjahr mit seinen kürzeren Tagen begann.
Da bei den Kelten der Winterbeginn gleichzeitig das Endes des Jahres war, kann Samhain auch als Neujahrsfest der Kelten gesehen werden.
Symbolisch begruben sie den Sommer, der nach keltischem Glauben die Zeit des Lebens war. Im Gegensatz dazu bedeutete der Winter die Zeit des Todes.
Die Kelten glaubten, dass zu dieser Zeit ihre toten Ahnen als Geister auf die Erde kommen, die Verstorbenen aus dem Totenreich zurückkehren und sich in der Nacht des „Samhain“
Tote und Untote begegnen. Die Tore zwischen der Welt der Lebenden und der Toten öffnen sich und die Seelen der Toten kommen auf die Erde, um sich neue Körper zu suchen. Nur so können sie nach ihrem Tod noch weiterleben oder müssen auf ewig gestaltlos herumirren.
Um die Verstorbenen milde zu stimmen und mit ihnen noch einmal in Kontakt treten zu können, wurden in der Samhain-Nacht Speisen und Getränke vor die Tür gestellt.
Später wurde dieser Brauch von den Iren abgewandelt.
Sie zogen sich furchterregend an, trugen gruselige Masken und entzündeten große Feuer, um die Toten so zu verscheuchen.

Die Römer und der keltische Brauch

Als die Römer die keltischen Gebiete eroberten, verbreiteten sie ihren eigenen Glauben und ihre Bräuche. So könnten sie das Totenfest der Kelten an ihre eigene Religion angepasst haben.
Es gab ein Fest zu Ehren ihrer Erntegöttin, bei dem Äpfel und Nüsse sehr wichtig waren.
Die heutigen Halloween-Spiele mit Äpfeln und Nüssen könnten daraus hervorgegangen sein.

Halloween und die Christen

Der Papst Bonifatius rief ab dem 7. Jahrhundert das Fest „Allerheiligen“ ins Leben. An diesem Tag im Mai sollten alle christlichen Heiligen bejubelt und verehrt werden .
Papst Gregor III. verlegte dieses Fest auf den 1. November. Katholische Feiertage beginnen ja bereits am Vorabend. (So wie bei den Katholiken die Woche eigentlich Sonntag Abend beginnt)
Was für ein Zufall, dass „der Vorabend von Allerheiligen“ englisch übersetzt „All Hallows Eve“ heißt.
Es ist doch recht offensichtlich, dass im Zuge der christlichen Missionierung das heidnische Totenfest der Kelten durch das christliche „Allerheiligen“ ersetzt werden sollte.
Die protestantischen Christen, die ihre Ursprünge wiederum in der katholischen Kirche hatten und sich vor 500 Jahren durch Luther von ihr abspalteten, feiern genau zur selben Zeit ihren Reformationstag.

Halloween und seine Wortherkunft

Der Feiertag „Allerheiligen“ hieß Im Englischen zur Zeit des Mittelalters „All Hollows Day“, der Abend vor dem christlichen Hochfest Allerheiligen wie schon erwähnt „All Hallows Evening“.
Das wiederum leitete sich ab von „All Hollowedevening“, was so viel bedeutet wie „der Abend aller Heiligen“.
Später wurde daraus „All Hallows Eve“. Eve ist die Kurzform vom englischen evening und heißt übersetzt „Abend“. Irgendwann entwickelte sich dieser gekürzte Ausspruch dann zu Halloween.

Vom Kürbisschnitzen, der Kürbisfratze Jack O’Lantern und Rübegeistern

Der Brauch, in Kürbisse schreckliche Fratzen zu schnitzen, stammte ebenfalls aus Irland.
Wobei – so ganz stimmt auch das eigentlich nicht.
Denn laut der irischen Erzählung des Hufschmiedes Jack Oldfield ging es tatsächlich um eine beleuchtete Rübe, die Licht spendete.
Erst durch die Einwanderung nach Amerika wurden die Rüben durch Kürbisse ersetzt, weil es ganz einfach viel mehr davon gab.
Die Geschichte von Jack O’Lantern soll sich so zugetragen haben, dass Jack mit dem Teufel im Bunde war.
Genaugenommen hatte er diesen auf einen Baum gelockt und eine Bedingung an ihn gestellt.
Damit der Satan nicht so schnell wieder vom Baum herunter steigen konnte, ritzte der Hufschmied Jack ein Kreuz in den Baumstamm.
Er wollte dem Teufel nur vom Baum herunterhelfen, wenn dieser ihm zubilligte, niemals seine Seele zu holen und ihm keine Angst mehr zu machen.
Doch wer mit dem Teufel im Bunde steht, der kommt nach dem Tode nicht in den Himmel. So klopfte Jack als verstorbene Seele an das Höllentor. Der Teufel aber schickte ihn wieder weg.
Damit die einsame Seele dennoch etwas sieht, wenn sie in der dunklen Welt umher irrt, schenkte der Teufel Jack eine ausgehöhlte Rübe. Sie war gefüllt mit glühenden Kohlen und der Hufschmied nutzte sie fortan als Laterne. Seitdem hieß er nur noch Jack O’Lantern und alle Rüben – und Kürbis-Schnitz-Bräuche gehen auf diese irische Erzählung zurück.

Rübegeister(n) in deutschen Regionen – Flenntippl und Rubebötz

Auch in einigen regionalen deutschen Gebieten gibt es Traditionen rund um Rübengeister.
Wahrscheinlich sind sie tief verwurzelt in uralten Erntedank-Bräuchen.
So gibt es das Flenntippln in der Oberlausitz.
Dort schnitzen Kinder ausgehöhlten Futterrüben schaurige oder lustige Gesichter ein.
Am Abend vor Allerheiligen werden genau wie beim Halloween brennende Kerzen hineingestellt.
Dann gehen sie durch den Ort und stellen die Flenntippl vor die Tür von Bekannten und Nachbarn – es wird geklingelt, sich versteckt und gewartet, bis man entdeckt wird – natürlich nur, um Süßigkeiten zu erhalten.
Flennen leitet sich von weinen ab und Tippl heißt Töpfchen. Tatsächlich sieht es durch die flackernde Kerze so aus, als wäre das Flenntippl traurig. Meistens finden gemeinsame Flenntippl-Schnitz-Stunden statt und es werden Umzüge veranstaltet.
Der thüringische Rubebötz ist ebenfalls eine ausgehöhlte Futterrübe mit einer gruseligen Fratze.
Auch hier ähnelt das Ganze dem irischen Halloween, denn es wird um Allerheiligen herum eine Kerze hineingestellt und gut sichtbar in Fenstern, vor Türen oder Vorgärten platziert.
Schaurige Verkleidungen gibt es jedoch bei diesen Rüben-Schnitzereien nicht. Mittlerweile gehen diese Brauchtümer mehr und mehr im Halloween- Fest auf.

Süßes oder Saures – Trick or Treat!

Das „Brauch“ vom Betteln um Nahrung könnte von ersten europäischen Christen stammen, die im 9. Jahrhundert n.Chr. durch die Dörfer gingen und sich nach „Seelenkuchen“ erkundigten.
Kleine viereckige Brote mit Johannisbeeren sollten dafür sorgen, dass an Allerheiligen ganz intensiv für die verstorbenen Angehörigen gebetet wird. Das versprachen die Bettler, wenn sie den Seelenkuchen erhielten.
Eine andere Erklärung könnte darin liegen, dass die Kelten den Verstorbenen süße Speisen auslegten und arme Leute sich demzufolge als Geister verkleideten, um an die Speisen zu kommen.
Weiterhin wurden in früherer Zeit auch Kinder an Allerheiligen von ihren Paten reichlich beschenkt. Sie bekamen Kuchen oder Äpfel. Dann zogen sie von Haus zu Haus, sangen Lieder und sagten dem Großherzigen ein Sprüchlein auf. Dafür bekamen sie dann Brot, Getreide, Schmalz oder Geld.
Dem Geizigen aber wurde ein böser Streich gespielt. Daher könnte der Ausspruch „Süßes, sonst gibt’s Saures! kommen.
Heutzutage machen es sich die gespenstischen Gestalten recht einfach und lassen das Vortragen der Gedichte und Lieder oft gleich ganz weg.
Das liegt aber auch daran, dass oft die Süßigkeiten schon vor den Wohnungstüren stehen, weil die Bewohner selbst unterwegs ist – oder es öffnet einem jemand die Tür, der selbst zum Gruseln aussieht. Da kann man schon mal diesen oder jenen Spruch vor Schreck vergessen 😉

Ein schaurig-schönes Halloween wünscht euch

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