Gibt es eine Psychotherapie für besonders optimistische Menschen?

 
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Es gibt sie, die Nerven-Sägen, Besserwisser, Herumnörgler, Jammerfritzen und Dauer-Tragödien-Erfinder.

Höchstwahrscheinlich ist dir so ein Mensch in der letzten Zeit auch schon über den Weg gelaufen. Wenn nicht, dann sei froh. Ich dagegen scheine wie so ein Magnet zu funktionieren: Alles, was an positivem Gedankengut so in mir drin vorhanden ist, verpufft im Schnelldurchlauf.

Leider reichen manchmal wirklich Minuten und ich frage mich, ob es eigentlich auch Psychotherapien für besonders optimistische Menschen gibt?

Natürlich ist für mich jemand, der einen schweren Schicksalsschlag erlitten hat oder dem es wirklich gesundheitlich gerade mies geht, kein Jammerlappen. Aber über manche Probleme muss ich doch energisch den Kopf schütteln.

Da gibt es diese Kategorie „Perfektionist“

Der findet das Haar in der Suppe, hat jedoch offensichtlich kein Talent für den gesamten Überblick. Jedes und alles wird bis ins kleinste Detail zerpflückt und zerlegt und – ja, ich empfinde das als zu anstrengend. Man mag mich oberflächlich schimpfen oder nicht tiefengedanklich genug. Jedoch mein Leben ist wirklich total ausgefüllt mit diesen ganz stinknormalen Alltagsmomenten.

Ich genieße diese Augenblicke, ob ihr es glaubt oder nicht. Momente, wo ich einfach nicht jedes einzelne Thema bis in die Grundfesten seiner Glaubwürdigkeit erschüttern können muss, ich muss keine Thesen widerlegen und nicht fachspezifisch diskutieren können. Mir reicht es, wenn mein Job läuft, mein Kind glücklich ist, mein Hund ausgepowert und vielleicht noch mein Mann. ( Darüber muss ich wahrscheinlich eine ganze Serie erstellen) 😀 Scherz beiseite.

Wer Zeit hat, so differenziert über das Leben nachzudenken, wie der Perfektionist, der hat wahrscheinlich irgendwelche Leerlaufstellen in seinem Leben. Ein Tipp wäre, zu bloggen, dann kann er dort ja seine unvergleichlichen Gedanken der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Der ewig unzufriedene Mensch

Tolles Haus, schnelles Auto, gepflegte Erscheinung und Musterkind(er).

Ta-da, der Business- Typ oder auch die Typin rauben mir so manchmal echt den Nerv. Ich bin mir ganz sicher, dass ich mir damit nun wieder keine Freunde mache, aber wollte ich nicht gerade deswegen schreiben, weil es doch mal jemand gesagt haben muss?

Ich finde es absolut ätzend, wenn manche Menschen glauben, Leistung (und dadurch natürlich wohlverdienter Wohlstand) bringen wirklich das große Lebensglück mit sich? Wer mit seinem Lebensstil zufrieden ist, der braucht nicht auf hohem Niveau jammern.

Jedoch es scheint ja etwas zu fehlen bei den vielen Kursen für die Kinder und sich selbst, bei der aufreibenden Arbeit und natürlich auch dem Job des Partners, eventuell fehlt es einfach, einmal zur Ruhe kommen zu können, durchzuatmen, Zeit für die Familie zu haben, für sich zu haben, für einen Spaziergang in der Natur, für… ach nöö, wisst ihr was – macht doch einfach so weiter.

Das Burnout lässt nicht lange auf sich warten. Macht es wie ich früher: Arbeitet rund um die Uhr, mutiert zu Workaholics und bitte vergesst nicht, auch euren Kindern viel Druck zu erzeugen, auf dass sie die Tollsten, Schlauesten, Besten,… sind. Es wird wenig Einfluss auf deren Zukunft haben, wie früh sie englische Wörter konnten.

Kinder lernen beim Spielen und dabei machen sie ihre grundlegendsten Erfahrungen… Außerdem brauchen sie eine intakte Familie (das können auch liebevolle Großeltern sein)

Die Synapsen (Anm.: Übergangspunkt von einer Nervenzelle zu einer anderen) im Gehirn können zwar nicht früh genug geschaltet werden, aber Stress und Druck erzeugen Ängste. Mit 15 oder 16 kommt das dann zum Vorschein.

Wehe dem, die Kinder werden erwachsen, ohne je eines kennengelernt zu haben: Geborgenheit und Sicherheit zu spüren und einfach glücklich sein zu können, die Seele baumeln zu lassen, sich selber zu spüren, seinen eigenen Wert zu erkennen imstande sein…

Der immer frustrierte Single

Alleinstehend hieß es früher und heute sind die meisten Singles aus Überzeugung im Alleingang unterwegs. Ein Nümmerchen hier, eine Zwei- Wochen-Beziehung da und erschreckenderweise sind sie dennoch unzufrieden. Warum denn nur?

Mancher bekommt auch einfach keinen Fuß in die Tür, hat also nicht die besten Karten, Partner oder Partnerin zu finden. Doch so oder so, wer will sich schon genau hinterfragen oder reflektieren? Der eine ist zu dick, die nächste zu klein, jedenfalls gibt es an jedem etwas auszusetzen. Wahrscheinlich glauben diese Leute auch an die große, romantische Liebe mit grenzenlosem Verständnis für … ja wofür?

Glasklar: Natürlich für den, der da sucht oder auch gefunden werden will. Egoismus pur.

Ganz ehrlich, kommt erst einmal in die Lage, ein, zwei, drei oder vier Kinder zu haben. Dann jammert ihr nicht mehr herum, nicht den richtigen Partner zu finden. Da kommen noch jede Menge mehr Herausforderungen auf euch zu. Ich sage immer scherzhaft, derjenige, den ihr euch mit vollgespucktem T-Shirt, verschwitzten Haaren und Augenringen als Partner vorstellen könnt – der (die) ist genau der (die) Richtige. Mehr führe ich dieses Thema in Rücksicht auf (erstmals) schwangere Frauen nicht aus.

Für die, die keine Kinderplanung vorgesehen haben: Partnerschaft bedeutet, Kompromisse zu schließen und das ist manchmal richtig hart. Vielleicht seid ihr einfach nicht kompromissbereit genug? Oder zu anpassungsfähig? Glücklich jedenfalls solltet ihr mit euch sein, bevor ihr eine Beziehung eingeht.

Depressions-Flatrate

Es gab einmal so einen Moment, da erzählte mir eine Frau bei einem Spaziergang folgendes: Sie war wahnsinnig unglücklich wegen ihrer Haare. Im Grunde genommen, wegen dem Spliss und der Trockenheit in den Spitzen … irgendetwas war noch, aber ist mir entfallen. Jedenfalls habe ich sie in höflicher Manier getröstet. Ich bin ein netter Mensch! 🙂

Dann begann sie mir ihr Herz auszuschütten: Über ihre beste Freundin, die sich gar nicht mehr um sie kümmert, seitdem sie einen Partner hat. Und eigentlich ging es danach dann um ihre Figur.

Also nicht die der Freundin, sondern halt der unglücklichen Dame. Ich bin gesprächig, aber hin und wieder höre ich lieber zu. Es hielt sich eh irgendwie mono-logisch oder so. Na jedenfalls war der Weg sehr, sehr lang.

Gefühlt irgendwie länger als sonst. Ich mag Natur und es war schönes Wetter. Kein Problem.

Dann beschwerte sie sich über ihren Mann. Der hatte zwar eine tolle Arbeit, aber er machte nicht genug im Haushalt. Er brachte zwar Müll hinunter, die Kinder ins Bett, kochte und saugte die Wohnung fast jeden Tag – aber er half ihr nie beim Fensterputzen. Sie war wirklich arm dran und tat mir leid. Ehrlich jetzt. Dieser Typ Mensch tut mir leid!

Und dann fragte sie mich, kurz bevor sich unsere Wege trennten, was denn das Schlimmste in meinem Leben gewesen sei. Wahrscheinlich irritierte sie mein konstantes, weises Schmunzeln. Ich antwortete halt ziemlich trocken: Als das erste Mal mein Stoma vom Bauch abfiel und der Stuhlgang sich irgendwie selbstständig machte. Ja Leute, eklig, ich weiss. Aber so ist das nun einmal, wenn jemand an Morbus Crohn leidet und mehrmals am Darm operiert wird / wurde.

Sie schaute mich ganz verwirrt an und meinte: „Ja das ist auch schlimm, aber du hast es ja nur einmal gehabt. Ich habe das jeden Tag!“

Ja ihr Lieben. Gibt es denn dort draußen im world wide web oder vielleicht auch in meiner unmittelbaren Nähe Menschen, die diese Stelle auch ironisch-makaber-lustig finden? Es ist mir ein Muss, darüber zu schreiben. Bitte lebt doch eurer Leben so, dass ihr eines seid: Zufrieden!

Mit oder ohne Geld, den neuesten Stiefeln oder Schlammbotten, der edelsten Kleidung oder Uralt-Klamotten – egal. Aber seid zufrieden!

Damit ich endlich mal wieder in Ruhe schlafen kann! Amen.

Einen wunderschönen Start in die Woche wünscht

 

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