Die schmerzhafte Pulpitis. Und, was gegen Ohrverstopfung hilft.

 
Voraussichtliche Lesezeit: 4 minutes

Was soll ich sagen, es lebt sich nicht gut, wenn so ganz plötzlich eine Zahnwurzel entzündet ist. Von heute auf morgen und selbstverständlich am Wochenende. Wann auch sonst? Pulpitis nennt sich das Ganze, aber ehrlich gesagt klingt das auch nicht viel besser.

Seit Jahren habe ich Probleme mit den Zähnen.

Ich weiß, das ist ein Tabuthema und niemand mag etwas darüber lesen. Doch ich habe das Bedürfnis, euch den Zusammenhang von kranken Zähnen und Morbus Crohn zu erklären.Letzteres ist eine Darmerkrankung, die leider immer noch nicht genügend erforscht wurde. Jedenfalls verläuft sie in Schüben und wurde in den letzten Jahren bei mir mit Stoßtherapien von hochdosiertem Cortison behandelt.
Cortison aber greift die Zähne an. Das ist definitiv so, auch wenn manche Zahnärzte mit dem Kopf schütteln. Es ist meine Erfahrung und ihr könnt euch sicher sein, ich hatte vor Ausbruch des Morbus Crohn 2007 heile Zähne.

Nun gut.

Es begann zu wummern unter dem Backenzahn, der nun seit fast zwei Jahren behandelt wird. Eine Wurzelbehandlung gab es auch schon, nur leider gefiel dem Zahn das scheinbar nicht. Wer nach zwei Jahren immer noch Aufbiss-Schmerz ans Gehirn meldet, der will andere Maßnahmen.
Wie es aussieht, wird er nun gezogen. Die Schmerzen über das Wochenende waren unerträglich und es hatte sich etwas in meinem Gesicht gebildet, was wirklich nicht sehr attraktiv wirkte. Eine Art Ei in der Backe.

Also ab zum zahnärztlichen Notdienst.

Eine relativ alte Zahnärztin auf einem der Dörfer hier im Leipziger Land schaute sich den rebellischen Zahn an und begann zu bohren. Sie öffnete einen Kanal, wie sie erklärte und ich muss schon sagen, es war die Hölle.
Das lag nicht an der netten Dame, sondern vielmehr an ihrem “Werkzeug”. Hilfe, tat das weh.
Die Patienten im Wartezimmer hörten mein Jammern, sagten sie später.
Mit denen hätte ich aber auch nicht tauschen wollen.
Mit akuten Zahnschmerzen beim Notdienst sitzen und andere schreien hören, ist doch gruselig.
Die Notfall- Zahnärztin verschrieb mir ein Antibiotikum, welches auch recht schnell half.

Es nennt sich Amoxicillin und ist aus der Gruppe der Penicilline.

Da ich auf Schimmelpilze allergisch reagiere, hätte ich es eigentlich nicht einnehmen dürfen. Doch manchmal muss man eben das Risiko gegen den Nutzen abwägen.
Für den Morbus-Crohn- Patienten ist ein Antibiotikum wie Gift. Der Darm hält das kaum aus, allerdings eine Entzündung an der Zahnwurzel zu haben, ist auch nicht unbedingt stärkend für meinen Körper.
Was war ich froh, Montag dann endlich bei meiner Zahnärztin auf dem Stuhl zu sitzen.
Sie ist entweder zärtlicher oder moderner ausgestattet, zumindest ging es dieses Mal schmerzfrei.

Gleichzeitig war mein Ohr verstopft und ich konnte so gar nichts mehr hören.

Jedes Gespräch bestand aus “Was?”, “Hmmmm?” und letztlich “HÄÄ?”, was wahnsinnig anstrengend für alle Beteiligten war. Vor allem unsere Tochter nervte das Ganze, weil sie sich gerne von Zimmer zu Zimmer artikuliert. Es bestand absolut keine Chance, an dem Wochenende bequem im Kinderzimmer zu sitzen und von dort aus Richtung Muttertier zu kommunizieren.
Es half alles nichts, eine Lösung musste her. Ich ging nach dem Zahnarztbesuch zum Hausarzt. Der stellte eine vergleichsweise harmlose Ohrverstopfung fest.
Ja, das passiert eben auch mindestens einmal im Leben. Hier bekam ich den ehrenwerten medizinischen Auftrag, mir Otowaxol zu besorgen.

Selbstverständlich muss ich dieses Mittel selbst bezahlen.

“Keine Krankenkasse der Welt übernimmt dafür die Kosten” erklärte mir mein Arzt.
Wie konnte ich nur einen Moment glauben, der Krankenkasse wäre die Gesundheit seines Patienten wichtig?
Es geht doch nichts über Wirtschaftlichkeit, Effizienz und Profit.
Das Otowaxol half tatsächlich.
Ich musste 10 Tropfen in das gehörlose Ohr träufeln und das Ganze eine Viertelstunde einwirken lassen. Dabei war da noch so ein lustiger blauer Ball mit Rüssel.
Elefant, sagte das Kind dazu.
Eine Ballonpumpe, die mit lauwarmen Wasser gefüllt wird, um dann vorsichtig das Cerumen [Lautschrift: [ˈoːrənʃmalts]] aus dem Ohr auszuspülen.

Das war eine richtig spannende Aktion über dem Waschbecken.

Die lustigen Geräusche dabei gar nicht erwähnt.
Natürlich musste Töchterchen alles genauestens beobachten und machte sich sogar Notizen in ihrem Büchlein.
Bis heute weiß ich nicht, was sie da so aufschrieb.
Vielleicht so etwas wie “Mama macht komische Bewegungen mit ihrem Kopf, während sie das Ohr spült. Sie sieht aus wie ein Emu”. Wer weiß.
Manchmal ist es ganz gut, wenn wir nicht wissen, was Kinder so in ihr Notizbuch schreiben.
Plötzlich gab sie einen schockierten Schrei von sich, den sogar ich hörte.

Von links kam ein spitzes und gedehntes “Iiiiiiiiiiiiiihhh”.

Natürlich ist so ein Otowaxol dafür da, um gehärtetes Ohrenschmalz [Anmerkung: Sekret im äußeren Gehörgang] aufzuweichen. Doch ihr war das vielleicht nicht so klar.
Als sich dann die Masse ihren Weg aus dem Ohr bahnte und ins Waschbecken plumpste, wurde es der neugierigen Beobachterin zu viel.
“Das ist mir zu eklig” murrte sie und schrieb eine letzte Notiz ein.
Himmel, ich hoffe, sie nimmt das Buch niemals mit zu ihrer Freundin oder in die Schule!

Alles in allem bin ich wieder recht fit.

Das Ziehen des Zahnes habe ich verschoben auf in zwei Wochen.
Erstens bekommen wir neue Möbel, dazu aber in einem anderen Beitrag mehr und zweitens habe ich nächste Woche einen runden Geburtstag. Da will ich Kuchen backen und den auch freudvoll essen. Also bitte.
Ich hoffe, ihr habt schöne gesunde Zähne und saubere Ohren. Falls nicht, wünsche ich euch, dass ihr nicht den Mut verliert!

Für mich reicht es in der nächsten Zeit an Pulpitis und Cerumen-Pfropfen.

(Visited 23 times, 1 visits today)

Möchtest du auch das lesen?

Kommentar verfassen

Translate »