Der Zusammenhang Kindergarten – Gesellschaftsentwicklung

 
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Warum so viele Menschen so wenig Empathie besitzen und was das für ein Land bedeutet

 Es war einmal…das Märchen vom artigen Kind

Beim “Kind sein” beginnt alles. Das sollte jedem von uns klar sein. Nahm ich bisher an. Doch in den letzten Wochen wurde ich eines Besseren belehrt. Weder Eltern noch Kindergartenleiter scheinen sich oft darüber bewusst zu sein, was eine Prägung in den ersten fünf Lebensjahren bedeutet. Natürlich werden wir auch darüber hinaus noch intensiv geprägt, jedoch die ersten fünf Lebensjahre legen ein Fundament, einen Grundstein für Kommunikationsfähigkeit, Einfühlungsvermögen, kognitive Fähigkeiten und ein gesundes Selbstbewusstsein.

Kinder mussten viele Jahre lang funktionieren. Sie mussten das tun, was ihnen die Erwachsenenwelt diktierte – ohne Wenn und Aber. Stillsitzen und Inhalte aufnehmen, die sie meistens nicht wirklich ansprachen. Ohne Widerworte schlucken, was ihnen intellektuell geboten wurde. Ja nicht vorlaut oder altklug sein. Keins dieser “Zappelphilippe” oder “Schmutzfinken” werden, wie Nachbars Kinder.

Nachbars Kinder waren aber oft jene, welche später Erfolg im Beruf hatten, ein zufriedenes Leben führten. Das brachte eine ganze Generation zum Umdenken. Aber nicht nur das. Auch die Hitler-Zeit warf viele Fragen auf. Wie konnte es kommen, dass sich so viele Menschen von einer Person leiten ließen?

Die Antwort darauf ist relativ einfach.

Kinder wurden früher nicht dazu animiert, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und sich eine eigene Meinung zu bilden.

Ich schreibe bewusst “früher” – eine nicht greifbare und schlecht umreissbare Zeitspanne. Früher heißt für mich, Kinder, die in einer Diktatur aufwuchsen, hatten es bedeutend schwer, sich selbst zu entfalten. Außer sie entsprachen dem gängigen gesellschaftlichen Ideal. Diktaturepisoden hatten wir ja nun nicht nur eine in der Geschichte Deutschlands – und hin oder her, wo eine Diktatur vorherrscht, da werden schon Kinder zu späteren unmündigen Bürgern herangezogen.

Die Frage ist nur, was passiert mit den Kindern der Kinder? Welche Erziehungsmaßnahmen reichen bis in die heutige Zeit?

Kinder brauchen Regeln. Jedoch sie benötigen gleichzeitig Zuspruch, Halt und Geborgenheit. Sie sind angewiesen auf uns Erwachsene, um in ihren Gefühlen und Gedanken abgeholt und ernstgenommen zu werden.

Wer als Kind nicht in den Arm genommen wurde, weiß das ein Leben lang und vergisst es nie wieder. Wer im Kindergarten zur Strafe in der Ecke stehen musste oder in einem riesengroßen, leeren Schlafsaal allein einschlafen musste, hat dies ganz gewiss nicht vergessen. Wer immer der Letzte beim Essen war und deshalb ausgelacht wurde, wird sich auch als Erwachsener gut daran erinnern können. Wer eine Frage richtig beantworten konnte, dies jedoch nicht im Schulbuch stand und er daraufhin vom Lehrer eine schlechte Note bekam, wird sich das merken übers 18. Lebensjahr hinaus.

Der Schlüssel zum Gesellschaftswohl liegt in unseren Kindern

Was vielen nicht klar zu sein scheint, ist: Wie wir unsere Kinder behandeln, was wir ihnen ermöglichen oder auch verbieten, wo wir sie lieben, aber ihnen auch unsere Wut zeigen- alle diese Faktoren sind maßgeblich daran beteiligt, wie unsere Gesellschaft sich entwickeln wird. Denn auch wenn Kinder oft als die kleinen süßen oder tyrannischen Menschlein abgetan werden, so ist die Kindheit doch die Wiege zu allem Wohl oder Übel. Nicht nur innerhalb der Familie. Nein- in unserem Land!

So wie Kinder sich frühzeitig entwickeln, so entwickeln sich später Verhaltensformen zwischen Erwachsenen

Selbstverständlich ist der Mensch immer in der Lage, sich weiter zu entwickeln und nicht jede Prägung für sich gesehen wiegt so viel, dass ein Kindergartenalltag oder ein strenger Lehrer in der Schule allein für die persönliche Entwicklung eines jeden von uns verantwortlich sind. Dennoch sollten wir uns darauf besinnen, welche Faktoren wichtig sind, um Diskussionsbereitschaft, Mündigkeit, Problemlösung zu fördern und damit ein neues gesellschaftliches Zeitalter anzutreten.

Erwachsene, die als Kinder oft negative Kritik geerntet haben, sind weniger kritikfähig. Selbst konstruktive Kritik kann und wird dann oft später als persönlicher Angriff gewertet. Wer nicht über seine Gefühle sprechen durfte, dem fehlt später eine gute Selbstreflektion- wichtig für Fairplay und Teamgeist. Nur gestärkte Personen können sich kritisch mit sich selbst und anderen auseinandersetzen. Wo kein Einfühlungsvermögen beigebracht wurde, wird es nie ein Schlüpfen in andere Blickwinkel geben, was jedoch sehr wichtig für Konfliktlösungen und Kompromissbereitschaft ist. Wer in der Kindheit für eigene Ideen und Gedanken bestraft wurde, wird später große Probleme haben, zu sich selbst zu stehen und erfinderisch zu sein.

Kindergarten und Schule sind mehr als Auffangstationen – sie sind eine Ersatzfamilie

Pädagogisches Personal hat eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe im Arbeitsleben mit auf den Weg bekommen. Das sollte jedem bewusst sein. Auch unseren Politikern. Schon in der Kinderkrippe werden Kindern Werte vermittelt, es sind oft die allerersten Erfahrungen in ihrem jungen Leben. Die Gefühle, die dort von Erzieher zu Kind transportiert werden, sind die wichtigsten überhaupt außer denen von Mama, Papa und den entfernteren Verwandten.

Kinder suchen in Pädagogen Halt und Wärme, so abstrus das klingen mag. Hier wird wirklich deutlich, wie wichtig ein fairer und freundschaftlicher Umgang mit den kleinsten Sprösslingen ist. Abgesehen von den liebevollen, aber konsequenten Regeln, die ebenso wichtig sind, werden unsere Kinder so zu wichtigen Teilhabern der Gesellschaft, wenn sie sich angenommen und bestätigt fühlen.

Wenn es nur ums liebe Geld geht – Kindereinrichtungen als Wirtschaftsfaktor

Wir haben ein großes Phänomen in unserem Land. Einerseits halten wir die Demokratie hoch und sind stolz darauf. Das ist auch wirklich gut. Doch immer öfter macht sich das Gefühl breit, dass diese Volksherrschaft gar keine echte ist, sondern von Politik und Wirtschaft diktiert wird. Die schnellen Entwicklungen im Medien- und Forschungsbereich dagegen zeigen einen völlig neuen Weg: Wir befinden uns hier in einem großen Umbruch, einer nie da gewesenen Umwälzung. Auch gesellschaftspolitisch.

Nie war es so wichtig wie heute, gefestigt zu sein, Werte zu besitzen, nach denen wir leben wollen. Werte, die nicht von einem Übervater oder einer Übermutter kommen, sondern aus dem neuen Menschen selbst. Eine Welt, die sich anders anfühlt, als nur vom Geld regiert zu sein. Geld regiert die Welt, diesen Ausspruch kennt jeder. Und doch beginnt dieses Manko bereits bei den Kleinsten der Kleinen. Kinder müssen in Einrichtungen gesteckt werden, damit Mama und Papa für den Arbeitgeber jederzeit und immer verfügbar sind. Damit Geld in die Kassen kommt.

Gleichzeitig wird kräftig an der Bildung gespart. Aber nicht nur das. Auch das elementarste aller Grundbedürfnisse geht verloren: Liebe und Trost, einen Geborgenheitsraum, in dem sich ein Kind in aller Ruhe entwickeln kann. Und die Rahmenbedingungen dafür. Kindergärtnerinnen haben in Sachsen einen Personalschlüssel von 1:17.

Kindergarten und Schule – Orte der sozialen und kognitiven Entwicklung?

Ausgebrannte Pädagogen und Erzieher, die selbst oft traurig und verzweifelt in der Situation gefangen sind, ihren Zöglingen nicht alles bieten zu können und andererseits sowohl kulturelle als auch bildungsrelevante Unterschiede der Ursprungsfamilien überbrücken zu müssen, müssten sich hier wirklich zusammenfinden, um auf die Lage unserer Kinder aufmerksam zu machen.

Das jetzige Bildungssystem ist marode und nicht offen für Neuerungen. Das beginnt leider schon in der Kindergrippe und setzt sich bis an die Hochschulen fort. Kinder brauchen Entfaltung und persönliche Freiheit, individuelle Förderung und liebevollen Halt, denn so entwickeln sich Empathie, Durchsetzungsvermögen und Denksport. Je kleiner unsere Mäuse sind, desto mehr Zuspruch benötigen sie, um zu mündigen Bürgern werden zu können.

So, wie es jetzt ist, kann es einfach nicht weitergehen!!!

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